Stressregulationstraining mit Dr. Med. Jean-Luc Gerard, diplomierter MBSR Trainer

Ab Mitte August werde ich zusammen mit Jasmin einen neuen MBSR-Kurs, in DevaSeva starten. Du erfährst mehr über diesem Kurs und Mindfulness-Based-Stress-Reduction (MBSR) auf dem Flyer nachfolgenden Flyer. 


Als Arzt habe ich mich für eine Trainerausbildung in dieser innovativen und praxisorientierten Methode entschieden, weil sie das uralte Wissen über die stärkende Wirkung von Achtsamkeit (fokussierte und urteilsfreie Aufmerksamkeit) mit den modernen Erkenntnissen der Stressforschung, Neurobiologie und Psychologie verbindet. Das Training findet in kleinen Gruppen von 6 bis 12 Personen statt.

Entwickelt wurde das Übungsprogramm, vor über 40 Jahren von  Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn, Arzt und US-Molekularbiologe in der Universitätsklinik von Massachusetts. Der Kurs zielt auf die Stärkung der persönlichen Resilienz und auf Stressvorbeugung im Alltag. Die positive Wirkungen (allgemeine Stressresistenz, Immunsystem, Schlaf, Blutdruck, Stimmung...) sind  wissenschaftlich belegt. Folglich integrieren heute weltweit mehr als 500 Gesundheitszentren und Kliniken die MBSR-Methode in ihren Stresspräventionsprogrammen. Im angelsächsischen Raum werden Achtsamkeitstraining in Universitäten, Spitälern, Unternehmen, Schulen und sogar im britischen Parlament unterrichtet. 
In der Schweiz bieten die meisten Antistress-Kliniken auch diese Art der Selbstförderung an. Sie hilft uns mit den täglichen  Herausforderungen gelassener umzugehen und den eigenen Lebensweg bewusster und kreativer zu gestalten.  


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Dr. med. Jean-Luc Gerard
Co-Präsident Verein Stressprävention Schweiz
Niederweg 48
8907 Wettswil
Phone: +41 (0) 44 701 14 03
Email: jeanlucgerard@hispeed.ch    
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Artikel aus Focus 2016: journalistin im selbstversuch

Neues aus Wissenschaft und Forschung

Empathie durch Achtsamkeitsmeditation

von Sabine Bläser

Sie ist für jeden Menschen wichtig: die Fähigkeit, sich in einen anderen hineinzuversetzen; nachempfinden zu können, was er fühlt; die Welt auch aus seinem Blickwinkel betrachten zu können. Sie ist ein Grundbaustein für Beziehungen, egal welcher Art. Für all jene, die in beratenden und therapeutischen Berufen arbeiten, spielt diese Fähigkeit – auch Empathie genannt – allerdings darüber hinaus eine besondere Rolle. Manche Forscher gehen davon aus, dass die Empathie einen größeren Einfluss auf Beratungs- und Behandlungserfolg hat als spezielle Interventionstechniken. Aus diesem Grund beklagen die amerikanischen Autoren Shapiro und Izett (2008), dass diese so wichtige Fähigkeit in den Lehrplänen der entsprechenden Aus- und Weiterbildungen oft zugunsten des methodischen Teils vernachlässigt wird. Aber kann man Empathie überhaupt „lernen“?

Man kann. Ein möglicher Weg dahin ist offensichtlich die Meditationspraxis. In den vergangenen 2.500 Jahren wurden in der buddhistischen Tradition verschiedene Übungsformen zur Kultivierung der Empathie entwickelt (z.B. die Metta-Meditation). In aktuellen Studien hat sich gezeigt, dass auch die formelle und informelle Achtsamkeitspraxis, wie sie in MBSR- und MBCT-Kursen gelehrt wird, zu einer Zunahme der Empathiefähigkeit führt.

In diesen Studien erfassten die Forscher meist vor und nach einem achtwöchigen MBSR-Kurs das Einfühlungsvermögen der TeilnehmerInnen und stellten fest, dass es hier einen deutlichen Zuwachs gab. In einigen der Untersuchungen wurde außerdem unter die Lupe genommen, welchen Einfluss die durch den Kurs zunehmende Achtsamkeit auf einzelne Facetten der Empathie hat; sprich auf die kognitiven Anteile (die Perspektive des anderen übernehmen) und emotionalen Anteile (mit dem anderen mitfühlen). Darüber hinaus interessierten sich die Autoren für eine Facette, die als „persönlicher Stress“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich gewissermaßen um die „negative Seite“ der Empathie. Gemeint ist hier: Wer durch sein mitfühlendes Wesen beginnt, mit seiner Umgebung mit zu leiden, gerät unter Druck, was letztlich weder ihm noch den anderen hilft. In diesem Zusammenhang konnten Birnie und Kollegen (2009) in einer Studie zeigen, dass sich die Achtsamkeitspraxis im Verlauf eines MBSR-Kurses positiv auf den kognitiven Empathie-Anteil und den „persönlichen Stress“ auswirkt. Genauer gesagt wuchs die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, während der „persönliche Stress“ deutlich abnahm.

Doch warum führt Achtsamkeit zu mehr Empathie? Shapiro und Izett (2008) gehen von drei Mechanismen aus, die hier eine Rolle spielen:

1. Stress-Reduktion: Studien haben gezeigt, dass unter Stress die Empathiefähigkeit sinkt. Das ist gerade für Menschen in beratenden und therapeutischen Berufen fatal, da Empathie  für ihre Arbeit einerseits zwar einen besonderen Stellenwert hat, sie andererseits aber gerade durch diese Arbeit häufig einem enormen Stress ausgesetzt sind. Beddoe und Murphy (2004) fanden in ihrer Untersuchung Hinweise darauf, dass MBSR hier an beiden Punkten ansetzt: Nicht nur wird der Stress reduziert, es kommt durch die Stressreduktion zugleich zu einem Zuwachs an Empathie.

2. Selbstwertschätzung (Self-Compassion): Achtsamkeitsbasierte Meditationsübungen umfassen eine freundliche, nicht-wertende und akzeptierende Haltung sich selbst gegenüber. Diese Wertschätzung der eigenen Person ist eine wichtige Voraussetzung für Empathie, denn Mitgefühl mit sich selbst zu haben, ebnet den Weg dafür, Mitgefühl mit anderen zu haben. Eine Bestätigung dieser Annahme findet sich bei Christopher Germer/Christine Bender: Der achtsame Weg zur Selbstliebe

3. Reperceiving: Achtsamkeit ermöglicht es, sich von den Gedanken des jeweiligen Moments zu lösen, einen Schritt zurück zu treten und dadurch mehr Klarheit zu gewinnen. Shapiro und ihre Kollegen nennen das reperceiving. Wenn man nicht so stark in die eigenen Gefühle verstrickt ist, kann man die des anderen besser erkennen -eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Empathie.

Mittlerweile interessieren sich auch immer mehr Neurowissenschaftler für den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen. Sie haben festgestellt, dass die positiven Wirkungen der Meditationsübungen im Gehirn messbar sind .Hölzel und Kollegen (2011) fanden zum Beispiel heraus, dass ein achtwöchiger MBSR-Kurs zu einer Zunahme grauer Substanz in den Regionen führt, die mit Emotionsregulation und Perspektivübernahme in Verbindung gebracht werden.